4/09/2018

Eine andere Welt

Sie besteigen ihre Pferde und verabschieden sich von dem wunderbaren lichten Buchenwald. Auf den entrollten Blättern und Moosen glitzerten wie Diamanten die Regentropfen.
Eine lange Zeit reiten sie ohne viel zu sprechen. Durch verwunschen erscheinende Täler und wellenförmige Hügel erstreckt sich der Wald. Der grüne Frühlingsschleier bedeckt die Bäume, die milde Luft streichelt die Haut und sie treffen niemanden. Gegen Mittag beginnt sie Sonne stärker zu brennen. Das Grün der Bäume verbleicht und macht einem leichten braun Platz, sie scheinen zu schrumpfen und sich in struppige Sträucher zu verwandeln. Das weiche grüne Gras und Moos formen sich zu Steinen und harten Boden. Die Hufe der Pferde klappern jetzt und kleine Staubwolken zeigen sich am Boden.
„Ich bin durstig, lass uns etwas trinken!“ Mit diesen Worten zieht Lilian die Wasserflaschen hervor und reicht Lilli eine. Sie halten an und trinken in langen Zügen das kühle Quellwasser. „Oh, wie gut das tut! Schau, Lilian, siehst du in der Ferne die niedrigen Häuser? Wie Würfel wirken sie!“ Lilian nickt. Die Häuser bedecken einen braunen Berghang. Je näher sie kommen, umso deutlicher sehen sie jetzt auch Ziegen, die an den dürren Sträuchern zerren. Sie erkennen schwarz verhüllte Gestalten, die am Rand  der gewundenen Straße langsam gehen und Tonkrüge auf dem Kopf tragen. Als sie näher kommen, erkennen sie einen Markt. An der Seite steht ein Brunnen, Frauen umlagern ihn und schöpfen Wasser in Tonkrüge, helfen sich gegenseitig, sie auf den Kopf zu stellen und verlassen den Brunnen mit wiegenden Schritten.
Sie halten die Pferde an und steigen ab. Sie führen sie zu einem Baum  nicht weit von ihnen. Die Sonne steht jetzt hoch,  die Luft glüht.
„Wir sollten uns einen Gasthof suchen, Lilli, und uns ein wenig ausruhen.  „Bist du nicht etwas müde?“ Sie nickt und trinkt noch einen Schluck. „Wir sollten die Flaschen füllen und uns erkundigen, wo wir hier eine Herberge finden können.“
Eine junge Frau mit einem Kind an der Hand nähert sich den beiden mit einem freundlichen Lächeln. Sie macht einen Knicks und stellt sich vor: “Ich bin Rina und das ist Zinna, meine Nichte. Braucht ihr Hilfe? Ihr seid doch fremd hier!“!
„Wir sind schon lange geritten und haben noch einen langen Weg vor uns, den zur Wüste Israma, ich heiße Lilian,“ er verbeugt sich, „und das ist meine Freundin Lilli!“ Bei seinen Worten ist Rina ein wenig blass geworden, so scheint es. „Da habt ihr noch einen ganzen Tag vor euch, müsst ihr wirklich dort hin?“
Beide blicken sich an. „Ja, wir müssen“, erwidert Lilian. „Aber jetzt suchen wir einen Platz zum Ausruhen. Kannst du uns helfen?“
„Oh ja, mein Onkel, Zinnas Vater,  führt eine Herberge, sie ist nicht weit von hier. Möchtet ihr dorthin? Die Karawanen, die hier durchziehen, halten auch dort. Es ist ruhig und sauber und das Essen gesund und kräftig.“
„Dann können unsere Pferde auch gut unterkommen!!“
„Ganz bestimmt! Wir haben einen großen Platz hinter dem Haus, wo die Tiere lagern können. Ihr werdet alles Nötige finden.“
„Gern nehmen wir dein Angebot an!“
„Das ist schön, Zinna kann gleich hinlaufen und ihrem Vater Bescheid sagen, dass er alles richtet. Zinna, sag ihm, Gäste kommen mit zwei Pferden!“ Die Kleine strahlt bei diesen Worten, nickt und läuft davon. 

„Geht einfach geradeaus, ihr könnt es nicht verfehlen" erklärt ihnen Rina. Es ist nicht mehr weit. Ich muss noch etwas besorgen.Es heißt „Zum Palmenhain“ und mit diesen Worten geht sie winkend davon: "Wir sehen uns nachher!"
Ein feiner lauwarmer Regen begann vom Himmel zu rieseln. Die Bäume reckten ihm ihre Zweige entgegen und die Blattknospen entfalteten sich.
Während Lilian schlief, erschien ihm wieder die Mondblumenfrau im Traum. Sie berichtete ihm von seiner Mutter und Schwester. Sie tröstete ihn und versprach ihm neue Mistelzweige für die weitere Reise. Am nächsten Morgen weckten Stella und Marengo Lilli und Lilian. Als Lilian seine Beine aus dem Bett schwang, sah er auf dem Fußboden die neuen Mistelzweige mit Beeren, die nicht so lebendig glänzten wie die verlorenen.
„Schau, Lilli, was die Mohnblumenfrau mir geschickt hat. Sie erzählte mir gestern Nacht, dass der Zauberer nun Livana auf seinem Schloss gefangen hält. Er will sie heiraten. Wir haben keine Zeit zu verlieren.
„Gestern hat Stella mir alles erzählt, als du schon schlieftst und ich noch draußen in den Himmel schaute“.
“Lass uns packen, Lilli!“ „Klar, ich mache nur schnell Lavendeltee und fülle von dem Quellwasser in unsere Lederflaschen. Was geschieht mit dem Haus?“
„Wenn wir fertig sind, wirst du es sehen, Lilli!“
Sie tranken den Tee und bevor sie alles auf die Pferde luden, ging Lilian zu Stella, redete mit ihr und begann dann, mit ihr um das Haus herumzugehen. Wieder kratzte sie an allen vier Ecken, der milchige Nebel stieg hoch und als er sich verzogen hatte, war das Haus verschwunden, die Wiese unversehrt, so als ob nie ein Haus dort gestanden hätte. Die Quelle rauschte unverändert und die Sonne stieg höher.



4/08/2018

„Ach Stella, wir werden bald deine und Marengos Hilfe brauchen, wenn wir uns der Wüste Israma nähern.“
„Lilli, ich habe alles gehört, was ihr mit Iva besprochen habt. Wir helfen euch, hab‘ keine Angst. Ihr werdet nach Iva rufen und wenn ich die Phantompferde herbeigezaubert habe, wird Iva mit Marengo und mir über die Wüste Israma hinweg durch die Luft fliegen und wir treffen uns dann auf dem Weg. Ihr werdet danach an eine Oase kommen und uns finden.“
„Stella, noch etwas. Wir konnten vorhin die Mistelzweige nicht finden. Sie lagen nicht mehr im Bündel. Kannst du dir vorstellen, was damit geschehen ist?“

„Wenn Lilian die Zweige gesehen hätte, wäre seine Ruhe dahin gewesen. Der Zauberer hat Livana auf sein Schloss geholt und Lilians Mutter lebt jetzt ganz allein in dem Häuschen und hat keinen Kontakt mehr mit ihrer Tochter. Der Zauberer will Livana in sieben Tage heiraten. Die Mutter ist sehr schwach und hat Angst, denn wenn es dazu kommt, wird sie verwandelt werden und kann nie wieder zurück ins Menschenreich. Die Zeit ist knapp, der Ritt durch die Wüste ist lang und ihr müsst auch noch in der Oase rasten, sonst wird es noch anstrengender.“
„Gut, ich werde versuchen, Lilian gleich morgen früh dazu zu bringen, weiter zu reiten, damit wir weiter keine Zeit verlieren. Hoffentlich erreichen wir die Wüste bald. Ich bin jetzt so müde. Vielen Dank für alles, Stella, schlafe auch gut, gute Nacht!“

4/06/2018

Lilli und Lilian
sprechen diesen Ruf nach, bis sie ihn auswendig können. Danach verabschiedet Iva sich, hebt ihre Arme und fliegt in einer silbernen Wolke durch das Fenster davon.
Nur zwei Kerzen erhellen jetzt den Raum. Die Dämmerung senkt sich nieder, der Tag will ruhig werden und in die Nacht übergehen.
„Es ist Zeit, dass wir schlafen, morgen haben wir wieder viel zu tun. Wir müssen unseren Proviant vorbereiten.“ Er holt sein Bündel und schnürt es auf.
„Lilli, ich kann die Mistelzweige nicht finden! Wo können sie bloß sein. Zuletzt haben wir sie beim Ochsenwirt benutzt!“
„Lass mich nachschauen, bitte!“ bittet Lilli. Sie nimmt das Bündel und holt Taschentücher, die lederne Geldbörse und den Becher heraus. Tatsächlich keine Spur von den Zweigen. Nur drei einzelne vertrocknete Beeren liegen am Grund des Beutels.
“Wirklich, sie sind fort. Wie konnte das geschehen?“
„Ich weiß es nicht, Lilli, ich verstehe es nicht!“ Er vergräbt seine Hände im Haar und fährt darin herum. „So viel Zauberei, wie wir sie in den letzten Tagen erlebt haben – da wundert es mich nicht, dass die Zweige auf einmal fort sind. Lass uns doch in die Kugel schauen, dann sehen wir meine Mutter und Livana.“
„Ich finde, du solltest jetzt nicht da hinein schauen, sondern dich ausruhen!“
„Nein, dann hätte ich doch erst recht keine Ruhe.“
„Komm, leg dich hin, morgen früh ist früh genug. Du bist doch müde.“
„Wie du meinst, Lilli“, er steht auf, geht zum Bett und legt sich hin.
„Kommst du auch bald ins Bett?“
„Ich räume noch etwas auf, ich lege mich gleich hin.“

Sie geht mit einer weichen Decke zu Lilians Bett und deckt ihn zu. Er hat schon die Augen geschlossen. Seine dunklen Wimpern überschatten die Wangen, sein Haar breitet sich auf dem Kissen aus. Sein Gesicht sieht angespannt und müde aus. Lilli seufzt, geht zur Tür und leise hinaus. Die Quelle plätschert und am Himmel blinkt ein Stern besonders hell. Der Mond hält sich noch versteckt. Sie setzt sich auf die Holzbank neben der Tür und legt die Hände zusammen. Es ist etwas kühl geworden, die Wipfel rauschen. Etwas Feuchtes berührt ihre Wange. Stella war leise herbeigekommen. Lilli steht auf und umarmt sie. Sie spürt das Pochen der Halsschlagader und die wohlige Wärme des silbrigen Fells. 

Besuch von Iva

Plötzlich wird der Raum so hell, als ob die Sonne darin aufgegangen wäre. Sie nehmen eine Lichtwolke wahr, die sich mehr und mehr im Raum ausbreitet. Eine Gestalt, umflossen von einer glänzenden Lichtaura tritt heraus. Sie beginnt zu sprechen mit melodischen einer Stimme: “Ich bin Iva, seid gegrüßt! Ich komme aus dem Land der Mondkönigin. Sie hat mich zu euch geschickt, damit ich euch beistehen kann, wenn ihr durch Wüste Israma ziehen und davor die Wüstenhundkatzen überlisten müsst. Auch mit eurer unschuldigen Seele könnt ihr das nicht allein schaffen. Sie werden einen Tribut von euch fordern. Alles, was ihr habt, sind eure Pferde. Wir wollen uns etwas ausdenken, bevor ihr dort hinkommt.“
„Wie kommst du hierher, Iva, und woher weiß die Mondkönigin alles?“
„Liebe Lilli, wir sind dazu da, euch zu beobachten und wenn nötig, beizustehen. Lilian hat dir von der Mohnblumenfrau erzählt. Wir stehen mit ihr in Kontakt. Die Mondkönigin beschützt, soweit sie kann,  auch Lilians Mutter und Livana. Ohne unsere Hilfe geht es nun mal nicht immer.
„Wie geht es meiner Mutter und Livana?“ ruft Lilian aufgeregt.
„Habt ihr Nachrichten von der Mohnblumenfrau?“ fährt er fort.
„Nein, nicht in der letzten Zeit. Wenn ihr erstmal durch die Wüste gekommen seid, ist es nicht mehr allzu weit zum Sturmland.  Auch dort werden Freunde von uns zu euch kommen. Wartet es nur ab. Nun möchte ich euch aber erklären, wie ihr die Wüstenhundkatzen überlisten könnt.“
„Ich habe schon eine Idee!“ wirft Lilian ein. „Stella wird uns behilflich sein. Sie ist sehr klug und sie kann zaubern. Sie kann sich selbst und Marengo fortzaubern und dann Phantompferde an ihre Stelle lassen. Wir geben sie den Wüstenhundkatzen und versuchen dann, an ihnen vorbeizukommen.“
„Das ist die Lösung, Lilian! Ich hatte auch so eine Idee. Der Pferdewechsel muss kurz vor dem Wüsteneingang stattfinden, die Phantompferde zeigen sich nur eine begrenzte Zeit, die nicht allzu lang bemessen ist. Alles muss schnell gehen.“
„Iva, möchtest du etwas trinken?“ fragt Lilli sie.
„Oh gern, ich bin sehr durstig, meine Reise zu euch war lang.“
Sie trinkt zwei Becher des Tees.
„Der Tee schmeckt wunderbar, so erfrischend. Woher hast du die frische Melisse?“
„Sie wächst dort im Kasten! “ Lilli zeigt auf die Fensterbänke. “Ich werde dir gern einige Pflanzen mitgeben für die Mondkönigin. Dann könnt ihr euch bei ihr Tee zubereiten.“
Iva lächelt. „Gern Lilli! Die Mondkönigin wird sich sehr freuen über diesen Gruß von dir. Ich muss nun zurück. Ich muss mir um euch keine Sorge machen. Man weiß aber nie vorher, was geschehen wird. Wenn ihr mich noch brauchen solltet, könnt ihr nach mir rufen. Singt diesen Ruf:
„Iva, Iva, komm herbei,
wir müssen schützen unser Wohl,
Eile und dann sind wir frei

Und niemand uns verderben soll.“


4/05/2018


Besuch von Iva
Plötzlich wird der Raum so hell, als ob die Sonne darin aufgegangen wäre. Sie nehmen eine Lichtwolke wahr, die sich mehr und mehr im Raum ausbreitet. Eine Gestalt, umflossen von einer glänzenden Lichtaura tritt heraus. Sie beginnt zu sprechen mit melodischen einer Stimme: “Ich bin Iva, seid gegrüßt! Ich komme aus dem Land der Mondkönigin. Sie hat mich zu euch geschickt, damit ich euch beistehen kann, wenn ihr durch Wüste Israma ziehen und davor die Wüstenhundkatzen überlisten müsst. Auch mit eurer unschuldigen Seele könnt ihr das nicht allein schaffen. Sie werden einen Tribut von euch fordern. Alles, was ihr habt, sind eure Pferde. Wir wollen uns etwas ausdenken, bevor ihr dort hinkommt.“
„Wie kommst du hierher, Iva, und woher weiß die Mondkönigin alles?“
„Liebe Lilli, wir sind dazu da, euch zu beobachten und wenn nötig, beizustehen. Lilian hat dir von der Mohnblumenfrau erzählt. Wir stehen mit ihr in Kontakt. Die Mondkönigin beschützt, soweit sie kann,  auch Lilians Mutter und Livana. Ohne unsere Hilfe geht es nun mal nicht immer.
„Wie geht es meiner Mutter und Livana?“ ruft Lilian aufgeregt.
„Habt ihr Nachrichten von der Mohnblumenfrau?“ fährt er fort.
„Nein, nicht in der letzten Zeit. Wenn ihr erstmal durch die Wüste gekommen seid, ist es nicht mehr allzu weit zum Sturmland.  Auch dort werden Freunde von uns zu euch kommen. Wartet es nur ab. Nun möchte ich euch aber erklären, wie ihr die Wüstenhundkatzen überlisten könnt.“
„Ich habe schon eine Idee!“ wirft Lilian ein. „Stella wird uns behilflich sein. Sie ist sehr klug und sie kann zaubern. Sie kann sich selbst und Marengo fortzaubern und dann Phantompferde an ihre Stelle lassen. Wir geben sie den Wüstenhundkatzen und versuchen dann, an ihnen vorbeizukommen.“
„Das ist die Lösung, Lilian! Ich hatte auch so eine Idee. Der Pferdewechsel muss kurz vor dem Wüsteneingang stattfinden, die Phantompferde zeigen sich nur eine begrenzte Zeit, die nicht allzu lang bemessen ist. Alles muss schnell gehen.“
„Iva, möchtest du etwas trinken?“ fragt Lilli sie.
„Oh gern, ich bin sehr durstig, meine Reise zu euch war lang.“
Sie trinkt zwei Becher des Tees.
„Der Tee schmeckt wunderbar, so erfrischend. Woher hast du die frische Melisse?“
„Sie wächst dort im Kasten! “ Lilli zeigt auf die Fensterbänke. “Ich werde dir gern einige Pflanzen mitgeben für die Mondkönigin. Dann könnt ihr euch bei ihr Tee zubereiten.“
Iva lächelt. „Gern Lilli! Die Mondkönigin wird sich sehr freuen über diesen Gruß von dir. Ich muss nun zurück. Ich muss mir um euch keine Sorge machen. Man weiß aber nie vorher, was geschehen wird. Wenn ihr mich noch brauchen solltet, könnt ihr nach mir rufen. Singt diesen Ruf:

„Iva, Iva, komm herbei,
wir müssen schützen unser Wohl,
eile und dann sind wir frei

und niemand uns verderben soll.“



 Im Blockhaus

„Nein, ganz und gar nicht, es ist alles wie ein Traum, was wir bis jetzt erlebt haben!“
Die beiden gehen hinaus und bringen ihre Bündel ins Haus.  Lilian holt eine Kanne Wasser  und Lilli pflückt Kräuter aus den Kästen vorm Fenster und beginnt eine Kerbelsuppe zu kochen und Melissen Tee zuzubereiten. Alles was sie braucht, findet sie im Schrank. Von draußen hört sie die Geräusche, wie die Pferde ihr Futter zwischen den Zähnen zermalmen und aus den Eimern Wasser schlürfen.
Sie gießt den fertigen Tee in Tonbecher, Lilian setzt sich an den Tisch und beginnt zu trinken. „Was für ein belebender Tee“, bemerkt er und schlürft genießerisch. „Das Wasser hier ist so klar und weich, da kann der Tee nur gut werden und die Suppe ist auch gleich fertig“, bemerkt Lilli und rührt in dem großen Eisenkessel.
„Woher kannst du so gut kochen?“ „Ich musste immer in der Küche helfen, während meine Stiefschwestern spielen durften, da habe ich auch gelernt, wie man kocht. Ich hatte auch eine Tante, die Schwester meines Vaters, sie besuchte uns manchmal und ich durfte mit ihr gehen, um Kräuter zu suchen. Sie erklärte mir viel und zeigte mir auch wie man manche Kräuter zum Heilen benutzen kann. Sie war immer sehr nett zu mir und das hat meine Stiefmutter geärgert.“ Sie holt zwei hölzerne Suppenschüsseln aus einem großen Schrank, stellt sie auf den Herd und füllt die Suppe sorgfältig hinein.
Lilian steht auf und trägt die erste Schüssel zum Tisch.
„Das kann ich mir gut vorstellen, Lilli. Ich bin froh, dass du diese Tante hattest. Wie gern hätte ich dich damals schon gekannt. Du bist wie eine Schwester!“
Lilli blickte etwas verlegen in ihre Suppenschüssel. „Es kommt mir so vor, als ob wir uns schon lange kennen“, erwidert sie. „Ich hoffe, bald lerne ich deine richtige Schwester Livana kennen und ihr werdet alle wieder zusammenkommen.“!

„Ich wünsche es mir auch so sehr, Lilli. Hoffentlich dauert es nicht mehr so lange, bis wir die Wüste durchquert haben. Ich wollte sowieso mit dir über die Wüstendurchquerung sprechen. Ich glaube, Ebarus könnte uns folgen. Er ist wie ein guter Geist, den der Himmel geschickt hat. Er kennt die Wüste bestimmt und kann uns vielleicht etwas darüber  erzählen. Wir müssen überlegen, wie wir es lösen könnten, wenn wir mit den Wüstenhundkatzen zusammentreffen müssen. Das mit dem Tribut. Vor allem, welchen Tribut sie fordern werden. Hast du eine Idee, Lilli, wie wir uns darauf vorbereiten können?“


4/04/2018

Auf zur Wüste Israma

Eine Weile reiten sie schweigend durch eine süß duftende Lindenallee. Es ist später Nachmittag. Vor ihnen liegt eine Ebene, am Horizont zeichnet sich eine Hügelkette ab. Ein Waldstück scheint nahe davor zu liegen. „Wo wir wohl heute Nacht schlafen werden? Du musst dich ausruhen Lilian!“
„Du brauchst auch Ruhe Lilli. Mach dir keine Gedanken. Du wirst schon sehen, Stella wird für unsere Nachtruhe sorgen, wart’s nur ab. Wenn wir den Wald erreicht haben, dauert es nicht mehr lange und wir können rasten.“
Bald erreichen sie den Wald, es ist ein lichter Buchenwald aber die Abendschatten kriechen schon hervor. Der sanfte grüne Moosteppich verschluckt nun die Geräusche der Hufe. Ein feines Plätschern und sanftes Rauschen wird allmählich lauter und lauter, vor ihnen tut sich eine Lichtung auf. Aus einem Felsen sprudelt ein Wasserstrahl der in einem Sammelbecken endet, das in Jahrhunderten der Felsen ausgehöhlt hat. Sie steigen ab, fangen mit ihren Händen den Wasserstrahl auf  und trinken. Sie sind so durstig und können gar nicht aufhören, auch die Pferde trinken gierig. Sie werfen die Köpfe zurück und schnauben und prusten laut, dann schütteln sie sich. Lilli tanzt und ruft: “Was für ein wunderschöner Platz, Lilian, hier können wir bleiben. Wir nehmen unsere Bündel als Kissen und decken uns mit den Mänteln zu, was meinst du?
Lilian lächelt und erwidert: “Wenn es ein heißer Sommertag wäre schon, aber die Nacht wird kühl und wir bekommen kein Dach über den Kopf. Wir machen es anders. Pass auf!“
Er geht zu Stella und flüstert ihr etwas ins Ohr. Sie spitzt die Ohren und wiehert laut. Lilian führt sie etwas weiter seitwärts von der Quelle und lässt sie los. Sie geht noch ein paar Schritte nach links, dann nach rechts, kratzt mit einem Vorderhuf auf dem Boden. Sie geht noch etwa  zehn Schritte weiter, kratzt wieder, dreht sich dann zur Seite, bis sie es viermal getan hat und wartet. An den vier Ecken, wo sie gekratzt hat, bildet sich ein weißer Nebel, verdichtet sich und verbindet die Ecken. Braune Holzwände wachsen aus der Erde hervor und vor Lillis erstaunten Augen entsteht ein kleines Blockhaus. Seine Tür öffnet sich von selber, ein Feuer glüht innen im Ofen, aus dem Schornstein steigt Rauch auf und verbindet sich mit dem Abendhimmel.
„Tritt ein Lilli. Hier werden wir heute Nacht schlafen und nicht auf der Wiese!“
Sie lächelt Lilian zu und tritt dann ein. Nicht nur das Feuer glüht im Eisenherd, ein gedeckter Tisch wartet auf sie und vor dem Fenster wachsen Küchenkräuter aus Blumenkästen.
„Wie wunder- wunderschön, Lilian!“ stammelt sie fassungslos.  „Hier kannst du dich erstmal ausruhen, bevor wir weiterziehen und die nächsten Hindernisse überwinden müssen“, antwortet er. „Komm, schau nur, das weiche Bett, leg dich ein wenig hin, nachher können wir essen!“
Lilli lässt sich begeistert auf das Bett fallen. „Herrlich, herrlich fühlt es sich an!“ ruft sie.

„Ich hole noch Wasser von der Quelle, versorge die Pferde und du kannst ein bisschen schlafen. Habe ich dir zu viel versprochen?“
Inzwischen hat Armin Marengos Hufeisen gerichtet und kommt herein, um es ihnen zu sagen. Frigo meint „zu gerne würde ich Euch heute Abend der Dorfversammlung vorstellen um denen zu erzählen, dass eine neue Zeit für uns angebrochen ist, was wir euch zu verdanken haben. Was Ihr für diese Gegend getan habt, kann nur jemand ermessen, der weiß wieviel Zeit und  Kraft die Menschen hier vergeuden mussten,  als sie zu dem Umweg um das Moor herum gezwungen waren. Könntet Ihr nicht noch etwas bei uns bleiben?“
„Vielen Dank, Frigo, für diese Worte. Wir müssen weiter reiten, wir haben schon so viel Zeit verloren durch diesen Kampf verloren. Wir suchen meine Mutter und meine Schwester, die auf der Sturminsel gefangen sind. Hast du schon einmal von dem Sturmland gehört?“
„Oh, Ihr habt noch einen langen Weg vor Euch. Das Sturmland ist weit. Davor liegt die Wüste Israma. Sie wird von den Wüstenhundkatzen bewacht. Sie fordern von allen Tribut, wenn sie die Grenze erreichen.“
Lilli und Lilian wechseln einen Blick.
„Was für Wüstenhundkatzen, Frigo, und weißt du mehr über den Tribut?“
„Die Wächter sind furchterregende Geschöpfe – halb Hund, halb Katze. Sie tragen die Eigenschaften beider Tiere in sich. Sie sind groß. Wie Ponys. Die Menschen erzählen sich, dass sie von denen, die durch die Wüste ziehen wollen, als Tribut etwas Lebendiges verlangen. Sogar die Reisenden selbst können Opfer werden.“ Eine Gänsehaut überzieht Lillis Arme und Rücken bei diesen Worten.
„Das hört sich schrecklich an“, sagt sie und Lilian fügt hinzu „Oh ja, aber es scheint uns nicht erspart zu bleiben.“ Er legt seinen Arm um Lilli und fügt hinzu „Wir müssen auf den Schutz des Himmels vertrauen. Wir werden alles schaffen. Außerdem haben wir unsere Waffen, die niemand sonst hat!“
„Was sind das für Waffen?“ fragt Frigo. „Es sind Geheimwaffen, Frigo!“ Er zieht aus seiner Tasche einen Goldtaler heraus mit den Worten „Wir danken dir sehr, lieber Frigo, für die Gastfreundschaft. Lebe wohl und grüß‘ die Dorfgemeinschaft von uns. Feiert ein wenig und lasst es euch gutgehen! Noch eine Bitte: denkt an uns und betet.“
„Danke, gute sichere Reise! Göttin sei mit Euch!“ Frigo und Armin heben die Hände zum Gruß.
Lilli und Lilian steigen auf die Pferde und traben winkend davon.



4/02/2018

Sie nahm Marengo am Zügel, Lilian seine Stella und so gingen sie den trockenen Pfad entlang, der mitten durch das Moor führte und den keine Seele mehr seit Menschengedenken beschritten hatte. Die Sonne stand hoch, die Mittagszeit nahte. Der Pfad schien kein Ende zu nehmen, Mücken und Bremsen hatten begonnen, sie zu plagen. Marengo hinkte jetzt, als sie endlich wieder festen Boden unter den Füßen fühlten und in der Ferne eine Ansammlung von Häusern erkannten.
„Hoffentlich finden wir bald eine Schmiede, Marengo hat bestimmt Schmerzen!“ stellt Lilli fest.
Als sie näher an das Dorf kamen, hörten sie Geräusche, das Muhen von Kühen, das Grunzen von Schweinen, Stimmen und tatsächlich auch den scharfen Klang von Stahl auf Stahl. Sie brauchten ihm nur nachzugehen und standen bald vor eine Schmiede. Ein junger kräftiger Mann mit Pferdeschwanz ließ den Hammer auf ein glühendes Stück Eisen niedersausen.
„Aber das ist ja Frigo von der Fähre!“ ruft Lilli freudig aus, „schau nur Lilian, wir kennen den Schmied!“
Tatsächlich war es Frigo, als er hochblickte und die beiden sah, richtete er sich auf, legte den Hammer beiseite, wischte sich den Schweiß von der Stirn und lächelte sie an.
„Das hätte ich nicht gedacht, dass wir uns so schnell wiedersehen! Grüßt Euch, woher kommt ihr?“
„Wir kommen vom Ochsenwirt, Frigo. Unser Pferd Marengo hat ein lockeres Hufeisen, könnt Ihr es Euch anschauen, bevor wir weiterziehen?“
„Vom Ochsenwirt, eh? Hat der Euch so zugerichtet?“
Er dreht sich um und ruft seinen Gesellen: “Armin, komm, gib den Pferden Wasser und dann schau dir das Eisen an“, dann wendet er sich an die beiden „kommt in mein Haus, wo ihr etwas Kühles trinken könnt und ein bisschen ausruhen!“
„Oh, Frigo, Ihr seid zu gut zu uns, wir hatten einen aufregenden Morgen und sind übers Moor gekommen. Wir sind so durstig, “ erwidert Lilian.
„Kommt, seid willkommen“ und sie folgen Frigo in sein sauberes Haus, durch einen dämmrigen Gang in die Küche. Sie setzen sich auf eine Bank hinter einen großen blankgescheuerten Holztisch.
„Linchen komm, bringe einen großen Krug Buttermilch“ ruft Frigo und ein junges Mädchen erscheint mit dem Krug in Hand und Bechern aus Steinzeug. „Linchen ist Metas Nichte, Meta ist auf dem Markt und verkauft ihre Töpfe. Sie hätte sich sehr gefreut, Euch zu sehen!“
„Vielen vielen Dank für die Gastfreundschaft!“ erwidert Lilian, es soll Euer Schade nicht sein!“ Lilli öffnet das Paket mit Essen von Olga.
„Wieso seid ihr durchs Moor gekommen?“ fragt Frigo, „niemand aus dieser Gegend wagt es, es ist viel zu gefährlich. Wer es früher versucht hat, ist darin umgekommen.“
„Das ist vorbei!“ erklärt Lilli, „seit heute kann jeder wieder das Moor durchqueren.“

Sie erzählen dem staunenden Frigo, was heute Morgen geschehen ist. Frigo hört mit offenem Mund zu und murmelt ungläubig „Ihr müsst Zauberkräfte besitzen, ich kann es nicht fassen, noch nie ist so etwas vorgekommen.“ Er schüttelt den Kopf und wiederholt „ich kann es nicht fassen, wie habt Ihr das geschafft? Es ist zu wunderbar, in meinem ganz Leben ist es noch nie geschehen, dass jemand den Fürst des Moors besiegen konnte!“


3/31/2018

Ein Wiedersehen
„Oh Lilian, das haben wir jetzt hinter uns. Wie froh ich bin! Ich möchte nie mehr in diese Gegend zurückkommen. Wenn wir Ebarus nicht gehabt hätten, es hätte böse ausgehen können.“
„Das hätte es, Lilli, ich kann noch gar nicht glauben, wie alles abgelaufen ist. Wir werden nicht mehr hierherkommen, das Böse lauert in diesem Ort. Ich möchte mich zu gern etwas säubern!“ Er reckt seine Arme „oh, das tut weh, aber es hätte viel schlimmer kommen können!“
„Ja, kannst du denn überhaupt in diesem Zustand reisen? Eigentlich brauchst du jetzt etwas Ruhe und Erholung von der Anstrengung und dem Schock!“
„Ich trinke aus meinem Becher, das wird mich kräftigen. Du brauchst auch einen Schluck oder zwei, es war alles aufregend genug!“
„Ja“, sie seufzt aus tiefstem Herzen, „wirklich. Ich möchte ein bisschen von der Flüssigkeit auf deine Wunden streichen, das hilft auch!“
„Oh, wirklich, das ist eine gute Idee, gern!“
Sie tranken und beiden ging es besser, nachdem sie getrunken hatten. Lilian fühlte neue Kraft in sich hinein strömen, Lilli bestrich seine Wunden und sie begannen sofort weniger zu schmerzen und sahen besser aus.
„Die Mohnblumenfrau wusste schon, warum sie dir den Becher gab. Sie muss dich sehr liebhaben, Lilian.“
„Oh ja, sie war meine zweite Mutter und ich konnte mich auf sie verlassen, immer. Ich hoffe, du wirst sie bald kennenlernen.“
„Oh ja, das möchte ich. Bestimmt kann ich viel von ihr lernen!“
Sie gingen zu den Pferden und bemerkten, wie Marengo sein linkes Vorderbein etwas anhob, es wieder aufsetzte und wieder anhob. Lilli beugte sich vor und untersuchte das Bein. Am Huf sahen sie, dass das Hufeisen an einer Stelle locker war, der Nagel schien abgenutzt.
„Lilian, wir müssen nach einer Schmiede suchen. Marengos Hufeisen muss neu beschlagen werden.“
„Gut Lilli, lass uns gehen und nach einem Schmied schauen. Bestimmt wird einer hier im Dorf sein.“




3/30/2018

Das zynisch verzogene Breitmaul Rorkas starrt ihnen entgegen. Ähnlich aussehende Wesen tauchen hinter ihm aus dem Wasser auf. Eine feucht schimmernde Sänfte, aus Schilf und Binsen kunstvoll geflochten ziehen sie aus dem Wasser, setzen sie ab und heraus steigt Maro, der Fürst des Moors, riesig und bedeckt mit langen Haaren, die ihm zu den Füßen reichen. Darunter blitzt ein Schuppenhemd hervor.
„Du hast mich herausgefordert, Lilian, willst du immer noch kämpfen? Du zwingst mich hier so früh zu erscheinen und meinen Schlaf zu opfern. Das wirst du büßen!“
„Maro – heute wird das Leiden Derjenigen ein Ende haben, die du schon so lange quälst. Auch wir haben es eilig und wollen den Weg übers Moor nehmen und nicht von Dir gehindert werden. Ich habe keine Wahl, sondern muss all dem ein Ende setzen! Es steht geschrieben! Die Bauern werden das Moor trockenlegen, nachdem ich dich erledigt habe! Die Bevölkerung wird es nutzen für Brennmaterial!“
Lilian steigt ab, nachdem er alles gesagt hat, er geht drei Schritte vorwärts. Lilli steigt ebenfalls ab und bindet die Pferde an eine Esche in der Nähe. Sie kann kaum die Knoten schlingen, so sehr zittert sie. Sie streichelt Marengo und drückte sich an ihn.
Am Himmel erscheint eine dunkle Wolke – ein Vogelschwarm ist es und nähert sich schnell. Lili blickt nach oben, sie hört keine Laute, wie sie sonst von fliegenden Vögeln ausgestoßen werden.
„Bist du bereit, Lilian? Wir werden ringen!“ dröhnt Maros Stimme.
Lilli wird schwindelig, sie hört Lilian:„Ich bin bereit, Maro!“
Lilian geht noch zwei Schritte vor, sie stehen sich jetzt gegenüber, mit einem wilden Schrei stürzt Maro sich auf Lillian, will ihn umklammern, Lilian reißt die Arme hoch und umschlingt den feuchten glitschigen Körper seines Gegners, dessen lange nasse Haare verwandeln sich in Schlangen und ringeln sich um Lilian. Die Vögel sind jetzt nähergekommen und stürzen sich mit einem Schrei in einer einzigen Bewegung auf Maro, krallen sich in seinen Rücken,  heben ihn hoch, tragen ihn zu einem entfernten Platz und beginnen ihn und die Schlangen systematisch zu zerhacken. Ebarus steht vor Lilian, Lilli ist jetzt dazugekommen-
„Mein Freund!“ bringt Lilian heraus, er kann kaum sprechen, ist so erregt und spricht weiter „wie kann ich dir nur danken, du hast unser Leben gerettet.“ Andere Vögel haben sich inzwischen auf Rorka und Maros Vasallen gestürzt und bringen sie in ihre Gewalt.
„Dieses Monster wird niemanden mehr drangsalieren, ihr könnt jetzt weiterziehen!“
Lilian und Lilli sind noch völlig überwältigt von diesem Ereignis und können nur immer wieder „danke, danke, danke“ zu Ebarus sagen.
„Von den Ungeheuern wird nichts übrig bleiben, ihr könnt getrost fortgehen und beruhigt sein!“ fährt Ebarus fort. Einige der Vögel hatte sich auf der Esche niedergelassen und stießen siegreiche Schreie aus. Lilian und Lilli winkten ihnen zu.
„Wann sehen wir dich wieder, Ebarus?“ fragt Lillian.
„Ich werde immer wiederkommen, wenn ihr mich braucht. Seid ganz beruhigt. Viel Erfolg bei eurer Suche, bald sehen wir uns wieder! Ihr werdet alles schaffen!“ Damit schwingt Ebarus sich in die Höhe und die Vögel folgen ihm.
Lilli und Lilian schauen zu in der hellen Morgensonne, wie ein Vogel nach dem anderen in die Luft steigt und davonfliegt. Diesmal hört man ihr heiseres Krächzen laut und deutlich, die Sieger ziehen davon.
„Ich werde dies nie vergessen,“ murmelt Lilli, unsere erste große Prüfung heute Morgen und die wundersame Rettung durch deinen treuen Ebarus!“ Lilian nickt und nimmt ihre Hand.

Stella und Marengo warten geduldig und nicken freudig, als die beiden näherkommen und sie herzen und umarmen. 


3/29/2018

Gegen Morgen, in der grauen Stunde vor Sonnenaufgang landet Ebarus wieder auf dem Fenstersims und klopfte sacht mit seineseinem Schnabel gegen den Holzladen. Er wartete und wusste gleich wird Lilian kommen. Lilian hatte ihn gehört, blickte zur Seite, Lilli schlief fest, er schwang seine Beine vorsichtig über den Bettrahmen und schlich barfuß zum Fenster.
„Seid ihr bereit?“ krächzte Ebarus, „ihr solltet nun diesen Platz hier verlassen!“ Lilian flüsterte „wir kommen,““, schlich zum Bett zurück und strich vorsichtig über Lillis Arm. „Aufstehen, Lilli, komm‘, wir trinken aus unserem Becher und machen uns stark!“
„Oh, gut dass wir dieses Mittel haben“ erwiderte sie, richtete sich auf und wartete. Lilian holte den Kuhledersack, öffnete ihn und griff nach dem Becher. Er setzte ihn an seine Lippen und spürte die köstliche bittersüße Flüssigkeit auf der Zunge und die Kehle herunter rinnen. Er reichte Lilli den Becher und auch sie trank. „Mir ist ganz warm!“ rief sie aus „ich fühle mich stark!“
„Oh ja, ich auch, du siehst, das Getränk wirkt Wunder, wie gut, dass wir es haben.“
Schnell packen sie ihre Sachen zusammen, Lilli holt noch einiges aus ihrem Zimmer, zieht sich Stiefel an und eine warme Jacke, die Lilian für sie dabeihat. Sie gehen die Treppe hinunter in die Küche, Olga wartet schon und reicht ihnen das Vesperpaket. Sie verabschieden sich, gehen zum Stall und begrüßen zärtlich ihre Pferde. Sie steigen auf und traben über den stillen Marktplatz. Die Uhr schlägt sechsmal. Die dunklen Arme der Nacht heben sich hinweg und langsam wird es heller. Schweigend reiten sie die Dorfstraße entlang, die bald in einem Feldweg endet. Nicht weit entfernt kommen sie einem Wäldchen näher und näher, das das Moor begrenzt. Je näher sie kommen, umso weicher wird der Boden. Rechts von ihnen erscheint blinkendes Wasser mit Grasinseln und Binsenbüscheln. Ruhig liegt das Wasser. Die Pferde werden langsamer. Auf einer Esche sitzt Ebarus. Sie halten an und blicken sich um.
„Wann sie wohl kommen?“ flüstert Lilli.

„Sie sind schon da, sieh!“

3/28/2018




Lilian konnte nicht einschlafen. Er hörte Lillis Atemzüge neben sich und dachte an die Verantwortung, die er für sie trug.
Er sah sich selbst auf Stella im Moor reiten, die Morgensonne langsam aufgehend am Rand des Moores und aus den Schatten erschienen Rorka, an seiner Seite ein Komplice,  Mora, schwarzgrünlich schillernd und nass, ihre breiten Mäuler grinsend verzogen. Stella warf den Kopf zurück und wieherte laut.
Er stellte sich vor, wie die beiden Ungeheuer sich ihm entgegenwarfen und wie er sie mit Stellas Hilfe besiegen würde.
Dann fiel er in einen unruhigen Schlaf.
Lavendel, Büschel, Verkauf, Blau, Strauß, Sträußchen




„Ach, Livana, wie schön wäre das…ich glaube nicht, dass sich ein Schiff an diesen Strand wagen wird…“! Sie hilft Livana beim Aufstehen, gemeinsam gehen sie durch die Dünen davon. An einem Felsen krümmt sich der Weg. An seine Rückseite gebaut lehnt ein Holzhaus, bedeckt von einem dicken Reetdach. Ein weiß-grauer Zaun läuft ums Haus. Das Seewetter hat ihn ausgeblichen. Die Pforte ist angelehnt und der gepflasterte Weg führt durch einen Steingarten.  Die blaue Tür teilt teilt sich in einen oberen und unteren Teil. Im Herd glimmt noch das Feuer und die Mutter setzt einen Kessel auf die Ofenringe. Das Wasser beginnt bald zu summen, die Mutter tut eine Handvoll Kräuter hinein. Ein lieblicher Duft zieht durch den Raum. Livana hat sich aufs Bett gelegt und massiert sanft ihre Stirn. „Trink diesen Tee, meine Süße, bald wird es dir besser gehen.“ Sie reicht ihr einen Becher, Livana richtet sich auf und trinkt vorsichtig. „Es wird bald besser sein, mein Liebling, trink den Tee und bleibe liegen. Auch der Wind wird sich bald legen.“

Lilli und Lilian sehen zu, wie die Mutter Livana zudeckt.
„Sieh, wie allein sie sind“, flüstert Lilian. „Wir werden sie bald finden, Stella wird uns hinführen. Sie hat einen untrüglichen sechsten Sinn.“
Das Bild in der Kugel verschwimmt und bald sehen sie nur noch die silbern glänzende Oberfläche.
„Lass uns jetzt noch ein wenig schlafen, Lilli. Die Nacht ist so kurz geworden.“
„Bitte lass mich hier schlafen, ich habe Angst allein in meinem Zimmer.“

Sie legen sich nebeneinander aufs Bett und kaum liegt Lilli, fallen ihr die Augenlider zu.

3/27/2018

„Lilli“, fährt Lilian fort, „gerade wollte ich nachschauen, wie es meiner Mutter und meiner Schwester geht. Wir dürfen keine Zeit vergeuden. Morgen früh werden wir etwas erleben, das uns aufhalten wird und auch gefährlich ist. Maro, der Moorfürst will uns nicht durchs Moor reiten lassen. Der Ochsenwirt hat ihn besucht und ihm erzählt, dass wir kommen werden. Maro wird uns nicht durchlassen. Ich werde mit ihm kämpfen müssen. Nicht nur für uns, sondern für alle Menschen hier, die gern die Abkürzung benutzen würden, es vor Angst aber nicht tun. Auch die Mistelbeeren  zeigen an, das etwas nicht stimmt. Lass uns in die Kugel schauen, ob ich etwas erkennen kann.“
Sprachlos schaut Lilli von Lilian zu Ebarus. „Ich muss jetzt weiterfliegen!“ sagt er, „ich muss jagen, sonst bin ich morgen früh zu hungrig. Dann komme ich und stehe euch bei. Darauf könnt ihr euch verlassen! Ade ihr beiden!“ Damit schwirrt er davon.
Lillian hat die Silberkugel aus seiner Tasche geholt und hält sie auf seiner Handfläche. Während er auf die schimmernde Kugel schaut, verdunkelt sie sich etwas, wird dann wieder heller und er sieht, wie Gestalten erscheinen. Auf einen Strand klatschen graue, schaumgekrönte Wellen, weißer Gischt sprüht in die Luft. Weiße spitzenähnliche Muster bilden sich am Saum des Wassers. Ein Schiff erscheint am Horizont weit draußen. Livana sitzt auf dem Sand, ihre Hände um die Knie geschlungen. Ihr langes dunkles Haar weht im Wind. Sie blickt geradeaus. Eine Frauengestalt läuft auf sie zu, ein langer Rock schleift auf dem steinigen Strand.
„Komm‘ ins Haus, Livana, es ist zu kalt um hier zu sitzen.“!

„Mutter, siehst du das Schiff dort hinten? Vielleicht kommt es, um uns abzuholen!“


3/23/2018




Damit war Rorka verschwunden, er hatte sich unsichtbar gemacht oder aufgelöst – wer konnte das schon wissen? Auf dem Fußboden glitzerten zwei größere Wasserlachen…
„Ebarus, du hast doch gehört, was morgen geschehen soll. Bleib noch ein wenig bei mir, bevor du weiter durch die Nacht streifst. Ich kann jetzt nicht schlafen. Gut, dass Lilli schläft und noch nicht weiß, was uns bevorsteht. Mir ist klar, dass der Kampf schwer werden wird – ich bin trotzdem zuversichtlich.“
„Lilian, du hast dir sehr viel vorgenommen. Schon als kleiner Junge hast du ja gelernt, wie man kämpft, daher habe ich keine Angst um dich. Aber wohin wollt ihr denn und wer ist Lilli? Was hast du vor?“
„Ach, Ebarus, das ist eine lange Geschichte. Wir suchen meine Mutter und meine Schwester Livana. Sie sind schon viele Jahre bei einem Zauberer im Sturmland gefangen. Ich zeige dir, wie ich nachschauen kann, wie es ihnen geht.“
Lilian geht zur Tür und schaut nach, ob sie auch wirklich verschlossen ist. Er  öffnet dann seinen Kuhledersack und holt das Mistelsträußchen heraus. „Schau, Ebarus, siehst Du die Mistelbeeren? Sie glänzen heute nicht mehr so wie noch gestern. Das bedeutet, es geht ihnen beiden nicht mehr so gut.
Es klopft. Lilian öffnet, draußen steht Lilli. „Darf ich hereinkommen, ich hörte Stimmen und wurde wach, ist alles in Ordnung?“
„Ja, ist es, Lilli, komm‘, mein alter Freund ist hier, er heißt Ebarus. Ich kenne ihn seit meiner Kindheit, er ist sehr klug!“!

Ebarus spreizt ein wenig die Flügel und nickt mit dem Kopf. Ohne Angst geht Lilli zu ihm und begrüßt ihn mit den Worten „Wie nett, dich kennenzulernen, Ebarus, ich heiße Lilli!!“ Sie berührt zart seine Flügelspitze.

3/22/2018







Lilian ging auf und ab in seinem Zimmer und schüttelte den Kopf. Auf dem Fenstersims wartete Ebarus geduldig. „Bitte Ebarus, teile Maro meinen Entschluss mit!“
„Das ist nicht mehr nötig“ antwortete eine Stimme und als Lilian sich umdrehte, erblickte er eine schwarzgrün glitzernde Gestalt. Er nahm den süßlichen Modergeruch wahr, der ihm aufgefallen war, als er das Zimmer betrat. Jetzt schien es, dass dieser ekelerregende Geruch sich überall verbreitete. Es schauderte Lilian, gleichzeitig erfasste ihn Wut.
Der eng anliegende Anzug des Monsters sowie die Klauen und Füße erinnerten an einen riesigen Frosch. Der breitmäulige Mund dominierte das Gesicht und klappte auf und zu. Die Gestalt begann zu sprechen: “Ich bin Rorka, einer von Maros Vasallen und habe hier auf dich gewartet. Maro hat mir seine Forderung an dich mitgegeben. Nun ist Ebarus mir zuvor gekommen. Ich warne dich, Lilian, mit Maro und uns Vasallen in Feindschaft zu geraten, das wird dir nicht bekommen!“
„Geh‘ mir aus den Augen und bestelle Maro, dass ich vor ihm und seinen Vasallen keine Angst habe. Morgen früh bei Sonnenaufgang werden wir am Moor sein. Meine Pferde und Lilli werden bei mir sein und Zeugen werden, wie ihr uns das Moor freigeben werdet. Maro hat lange genug die Menschen in dieser Gegend und Reisende hier tyrannisiert.“
„Ich sagte bereits, du wirst es noch bereuen, Lilian, keiner ist lebendig geblieben, der sich im Bösen mit Maro eingelassen hat.“